Hast du Interesse an einem Handwerksberuf, kannst du in der Schweiz zwischen zahlreichen unterschiedlichen Berufslehren wählen. Dabei arbeitest du zum Beispiel mit Materialien wie Holz, Glas, Textilien, Keramik, Metall, Papier oder Nahrungsmittel. Auch Dienstleistungen im Bereich Gesundheit, Kosmetik oder im Reinigungsgewerbe zählen zu den handwerklichen Berufen. Ausschlaggebend ist, dass die Dienstleistungen oder Produkte nicht industriell und in Massenproduktion hergestellt werden. Sie werden von Menschenhand gemacht und nicht von einer Maschine produziert.
Handwerksberufe werden häufig in KMU (Kleinen und mittleren Unternehmen) ausgeführt: Diese bestehen oft über Generationen hinweg. Somit sind sie häufig stark regional gebunden. Kein Wunder also, dass das Handwerk häufig mit Tradition in Verbindung gebracht wird. Das Gewerbe ist überall gefragt und sorgt nicht nur für die Versorgung vor Ort. Handwerkliche Betriebe arbeiten auch als Zulieferer für die Industrie und sogar im Exportgewerbe.
Gründe für einen Handwerksberuf
Handwerksberufe sind vielfältig und abwechslungsreich. Sie gelten ausserdem als besonders sinn- und glücksstiftend. Das liegt vor allem daran, dass du etwas mit deinen eigenen Händen erschaffen kannst. Für viele Menschen ist es ein Erfolgsgefühl, das Resultat der Arbeit direkt zu sehen.
Folgende Gründe sprechen ausserdem für eine handwerkliche Grundbildung:
- Während einer Berufslehre bist du direkt Teil des Teams. Du kannst im Lehrbetrieb mithelfen und praktische Berufserfahrung sammeln. Ausserdem erhältst du von Anfang an einen Lohn für deine Arbeit.
- Es gibt eine Vielzahl an Handwerksberufen. Hier findest du bestimmt eine Lehre, die zu deinen Fähigkeiten und Interessen passt.
- Als Handwerkerin oder Handwerker arbeitest du nicht nur mit deinen Händen. Der Schaffensprozess erfordert Konzentration, Kreativität sowie mathematisches und analytisches Denken.
- Handwerkerinnen und Handwerker werden überall gebraucht – nicht nur in der Schweiz. Im Gewerbe finden sich also viele zukunftssichere und krisenbeständige Jobs. Handwerksberufe werden nicht aussterben. Sie entwickeln sich stattdessen weiter und werden durch neue Technologien ergänzt. Das Fachwissen von Berufsleuten wird auch in Zukunft gebraucht werden.
- Nach einer handwerklichen Grundbildung kannst du dich weiterbilden, zum Beispiel mit einer Berufsprüfung oder einer Höheren Fachprüfung (Meisterprüfung). Du kannst also auch mit einem Handwerksberuf die Karriereleiter erklimmen, mehr Verantwortung übernehmen und somit auch mehr verdienen.
- Wenn du einen Handwerksberuf erlernst, kannst du dich selbstständig machen.
- Das handwerkliche Geschick kann dir auch im privaten Umfeld weiterhelfen: Es ist durchaus von Vorteil, wenn du im Haushalt einige Dinge selbst reparieren kannst.
Handwerkliche Berufe: Liste
Wenn du mit dem Gedanken spielst, eine handwerkliche Lehre zu beginnen, solltest du folgende Entscheidung treffen: Möchtest du einen körperlich anspruchsvollen Handwerksberuf ausüben oder lieber kreativ arbeiten? Entscheidest du dich zum Beispiel für eine Lehre als Maurerin oder Maurer, musst du jeden Tag unter vollem Körpereinsatz arbeiten. Eine Ausbildung zur Uhrmacherin oder zum Uhrmacher erfordert hingegen Kreativität und Fingerspitzengefühl.
Es gibt in der Schweiz über 200 Lehrberufe. Aus diesem Grund haben wir im folgenden Überblick eine Auswahl an Handwerksberufen zusammengestellt und diese in unterschiedliche Kategorien unterteilt.
Handwerkliche Berufe auf der Baustelle
Wenn du nach einem handwerklichen Beruf mit vollem Körpereinsatz suchst, dann ist das Arbeiten auf der Baustelle genau der richtige Job für dich. Hier musst du nicht nur dein handwerkliches Geschick, sondern auch deine Ausdauer und Wetterbeständigkeit beweisen. Zu diesen klassischen handwerklichen Berufen zählen zum Beispiel:
- Maurerin oder Maurer
- Strassenbauerin oder Strassenbauer
- Dachdeckerin oder Dachdecker
- Malerin oder Maler
Handwerkliche Berufe in der Werkstatt
Möchtest du dich lieber drinnen aufhalten, kann ein handwerklicher Beruf in einer Werkstatt das richtige für dich sein. Hier arbeitest du mit verschiedensten Materialien, Werkzeugen und Maschinen. Geschicktes, präzises Arbeiten ist genauso gefragt wie dein technisches Verständnis. Klassische Berufe in einer Werkstatt sind zum Beispiel:
- Schreinerin oder Schreiner
- Glaserin oder Glaser
- Carrosserielackiererin oder Carrosserielackierer
- Zimmerin oder Zimmermann
Handwerkliche Berufe im Bereich Autos, Technik und Maschinen
Bist du technikbegeistert, könnte eine handwerkliche Lehre im Bereich Autos, Technik und Maschinen dein Start ins Berufsleben sein. In mechanischen Berufen beschäftigst du dich in erster Linie mit der Bedienung und Einrichtung von Fertigungsmaschinen und -anlagen. Auch die Entwicklung von solchen Maschinen kann Teil deiner Arbeit sein. Zu den beliebtesten Berufen zählen:
- Polymechanikerin oder Polymechaniker
- Automatikerin oder Automatiker
- Produktionsmechanikerin oder Produktionsmechaniker
- Automobil-Mechatronikerin oder Automobil-Mechatroniker
Berufe im Elektrohandwerk
Als Elektroinstallateurin oder Elektroinstallateur arbeitest du mit elektronischen Geräten und Systemen. Du kennst dich mit Stromkreisläufen und der neuesten Technik aus. Arbeitnehmende in der Elektrobranche können in verschiedensten Bereichen arbeiten. Dazu zählen zum Beispiel folgende Berufe:
- Elektroinstallateurin oder Elektroinstallateur
- Montage-Elektrikerin oder Montage-Elektriker
- Automatikerin oder Automatiker
- Elektronikerin oder Elektroniker
Berufe in der Metallverarbeitung
Ob Schmieden oder Schweissen: Im Bereich Metallbau verarbeitest du den Rohstoff Metall auf verschiedenste Arten und Weisen. Dabei stellst du Werkzeuge her, Bauteile oder ganze Konstruktionen. Für diesen Beruf brauchst du eine gute körperliche Fitness und ein Auge für Design. Folgende Berufe zählen zum Beispiel dazu:
- Metallbauerin oder Metallbauer
- Anlagen- und Apparatebauerin oder -bauer
- Produktionsmechanikerin oder Produktionsmechaniker
- Gusstechnologin oder Gusstechnologe
Handwerkliche Berufe im Bereich Gebäudetechnik
Hast du Interesse an technischen handwerklichen Berufen, findest du vielleicht eine geeignete Beschäftigung im vielfältigen Bereich der Gebäudetechnik (Sanitär, Heizung, Lüftung, Spenglerei). Zu den Aufgaben dieser handwerklichen Berufe zählt die Umsetzung technischer Pläne sowie der Zusammenbau und die Wartung von Anlagen in unterschiedlichen Gebäuden. Folgende Berufe sind Teil des Bereichs Gebäudetechnik:
- Sanitärinstallateurin oder Sanitärinstallateur
- Heizungsinstallateurin oder Heizungsinstallateur
- Lüftungsanlagenbauerin oder Lüftungsanlagenbauer
- Spenglerin oder Spengler
Handwerkliche Berufe im Bereich Mode und Lifestyle
Wenn du dich für eine handwerkliche Lehre interessierst, jedoch eher kreativ tätig sein möchtest, bist du hier richtig. Im Bereich Mode und Lifestyle hast du häufig direkten Kontakt mit Kundinnen und Kunden und kannst mit verschiedensten Materialien arbeiten. Du benötigst nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch ein Gespür für Farben, Formen und Designs. Zu den Handwerksberufen im Bereich Mode und Lifestyle zählen zum Beispiel Jobs als:
- Bekleidungsgestalterin oder Bekleidungsgestalter
- Coiffeuse oder Coiffeur
- Kosmetikerin oder Kosmetiker
- Maskenbildnerin oder Maskenbildner
Feine Handwerksberufe
Es wird deutlich, dass Handwerkerinnen und Handwerker nicht nur grobe Arbeiten verrichten. Es gibt auch Handwerksberufe, die Fingerspitzengefühl und Kreativität erfordern. Von der Idee bis zur Umsetzung: Hier gestaltest du filigrane Einzelstücke, Accessoires für Kundinnen und Kunden oder Verschönerungen für Wohnräume. Für diese Handwerksberufe benötigst du also nicht nur geschickte Hände, sondern auch ein Auge für das richtige Design. Folgende Berufe zählen zu dieser Kategorie:
- Uhrmacherin oder Uhrmacher
- Steinbildhauerin oder Steinbildhauer
- Goldschmiedin oder Goldschmied
- Gipserin oder Gipser-Trockenbauer
Handwerksberufe: Lohn
Die Region, die Grösse des Unternehmens, deine Berufserfahrung und der Bereich, in dem du tätig bist, haben Einfluss auf die Höhe des Lohns in einem Handwerksberuf.
Grundsätzlich verdienst du in technisch-mechanischen Handwerksberufen oft etwas mehr als in traditionellen Dienstleistungsbereichen. Als Maurer EFZ verdienst du in der Schweiz beispielsweise einen Bruttomonatslohn von durchschnittlich ca. 5'500 bis 6'000 CHF (nach der Lehre). Als Elektroinstallateurin oder Elektroinstallateur liegt der Einstiegslohn häufig zwischen 4'500 und 5'200 CHF. Spitzenreiter sind oft spezialisierte technische Berufe wie Polymechaniker oder Automatiker.
Auch die Grösse des Unternehmens kann entscheidend sein. Grössere Industriebetriebe zahlen tendenziell etwas höhere Löhne als kleine Gewerbebetriebe, wobei dies stark von der Auftragslage und Spezialisierung abhängt.
Wenn du dich für eine handwerkliche Lehre entscheidest, solltest du auch regionale Unterschiede beachten: In Grosszentren wie Zürich oder Genf sind die Löhne (aber auch die Lebenshaltungskosten) meist höher als in ländlichen Regionen.
Handwerksberufe: Voraussetzung und Ausbildung
Um eine handwerkliche Lehre zu beginnen, musst du in deinem Lebenslauf meist einen Abschluss der Volksschule vorweisen (je nach Beruf Real- oder Sekundarschulniveau). Im Handwerk spielen deine Fähigkeiten und persönlichen Eigenschaften eine grosse Rolle. Folgende Eigenschaften solltest du mitbringen:
- Handgeschicklichkeit
- Gute Hand-Auge-Koordination
- Technisches Verständnis
- Sorgfältige und präzise Arbeitsweise
- Geduld
- Körperliche Fitness
- Teamfähigkeit
Handwerksberufe werden meist im dualen System erlernt: Das bedeutet, dass du in einem Lehrbetrieb praktische Erfahrung sammelst und gleichzeitig in einer Berufsfachschule die Theorie lernst. Hinzu kommen überbetriebliche Kurse (üK). In der Regel dauert die Lehre mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) 3 oder 4 Jahre. Eine zweijährige Grundbildung führt zum Eidgenössischen Berufsattest (EBA). Während deiner Lehre erhältst du einen Lohn. Die Höhe wird oft von Berufsverbänden empfohlen.
Alternativ zur klassischen Berufslehre kannst du nach der Matura auch an einer Fachhochschule studieren, um in verwandten technischen oder gestalterischen Bereichen tätig zu werden. Mit einer Berufsmaturität kannst du zum Beispiel folgende Studiengänge belegen:
- Lebensmitteltechnologie
- Textildesign
- Aviatik (Luftfahrt)
- Systemtechnik
Die meisten Berufsverbände (Organisationen der Arbeitswelt) bieten auf ihren Webseiten oder über berufsberatung.ch Lehrstellennachweise an.
Handwerkliche Berufe mit Zukunft
Wie eingangs bereits erwähnt, sind Handwerksberufe krisenbeständig und zukunftssicher. Sie passen sich durch neue Technologien an, das benötigte Fachwissen und die Handwerkskunst können jedoch nur schwer von Maschinen ersetzt werden. Auch in Sachen Kreativität können Maschinen uns nicht das Wasser reichen.
Handwerkliche Berufe passen sich also an die gesellschaftlichen und technischen Veränderungen an, werden jedoch so bald nicht ersetzt. In den meisten Fällen eröffnen sich durch Maschinen und Entwicklungen neue Möglichkeiten für Handwerkerinnen und Handwerker.
Als Innendekorateurin oder Innendekorateur profitierst du zum Beispiel von den neuen Möglichkeiten, deine Designs darzustellen – etwa mithilfe von 3D-Modellen und Augmented-Reality-Brillen. Gebäudetechnikplaner oder Sanitärinstallateure können dank moderner Technik nachhaltigere Lösungen entwickeln und als Bäcker-Konditor hast du dank 3D-Druckern aussergewöhnliche Gestaltungsmöglichkeiten.
Natürlich gibt es auch einige Berufe, deren Zukunft ungewiss ist: Automobil-Mechatronikerinnen und -Mechatroniker werden sich zum Beispiel an die Entwicklungen der Elektromobilität anpassen müssen, wenn der Verbrennungsmotor verschwindet.
Handwerkliche Berufe für Frauen
Handwerksberufe sind schon lange keine Männersache mehr. Früher wurde diese Branche zwar von Männern dominiert, doch dies hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr verändert. So gibt es immer mehr Frauen in klassischen Handwerksberufen und auch in typischen «Frauenberufen» wie der Kosmetik oder in Coiffeursalons sind immer mehr Männer zu finden.
Dein Geschlecht spielt also keine Rolle, wenn du Interesse an einem handwerklichen Beruf hast – einzig und allein deine Fähigkeiten sind entscheidend.