Viele Eltern zögern bei der Erwähnung der Familienzeit im Lebenslauf. Sie haben Sorge, die berufliche Pause könnte von Personalverantwortlichen negativ ausgelegt werden. Diese Angst ist jedoch unbegründet. Rechtlich bist du nicht verpflichtet, die Familienzeit zu nennen. In der Schweiz sind Angaben zur familiären Situation freiwillig, und Fragen dazu sind im Bewerbungsverfahren grundsätzlich unzulässig (Persönlichkeitsschutz nach Art. 328b OR sowie Gleichstellungsgesetz).
In der Regel solltest du deine Familienphase aber trotzdem angeben, denn damit schaffst du Vertrauen und Transparenz. Eine erklärungsbedürftige Lücke in deinem Lebenslauf wirft bei Personalverantwortlichen meist viel mehr Fragen auf als eine ehrliche und professionelle Angabe.
Familienzeit im Lebenslauf richtig angeben
Bevor du dich an die konkrete Formulierung machst, solltest du die formellen Grundregeln kennen. So stellst du sicher, dass deine Familienzeit harmonisch in das Gesamtbild deines Lebenslaufs passt.
Wie wird die Familienzeit im Lebenslauf angegeben?
- Kurz und sachlich halten: Gestalte die Angabe unaufgeregt und im gleichen Design wie den Rest deines beruflichen Werdegangs.
- Einheitliches Format nutzen: Nenne den Zeitraum immer im Format MM/JJJJ (z. B. 07/2023 – heute).
- Auf das Wesentliche beschränken: Verwende nur wenige prägnante Stichpunkte oder Sätze für diese Station.
- Fokus bewahren: Deine beruflichen Qualifikationen stehen weiterhin im Mittelpunkt. Die Familienzeit ist lediglich eine von mehreren Stationen in deinem Lebenslauf.
Wo wird die Familienzeit im Lebenslauf angegeben?
- Platziere die Familienzeit direkt im «Beruflichen Werdegang» beziehungsweise unter «Berufserfahrung». Auf keinen Fall gehört die Familienzeit unter «Sonstiges» oder «Hobbys».
- Da moderne Lebensläufe antichronologisch (aktuellste Station zuerst) aufgebaut sind, steht die Familienzeit ganz oben, wenn du dich direkt aus ihr heraus bewirbst.
Wenn du die Familienzeit im Lebenslauf einträgst, solltest du diese vier Kriterien beachten. Auf diese Weise vermittelst du Personalverantwortlichen ein klares Bild:
Für die zeitliche Einordnung gilt: In der Schweiz beginnt der Mutterschaftsurlaub am Tag der Geburt und dauert 14 Wochen – einen vorgeburtlichen Mutterschaftsurlaub gibt es nicht. Der Urlaub des anderen Elternteils (früher Vaterschaftsurlaub) umfasst zwei Wochen und kann innerhalb der ersten sechs Monate flexibel bezogen werden. Im Lebenslauf musst du diese Phasen jedoch nicht auf den Tag genau trennen.
Beispiele für die Familienzeit im Lebenslauf
Wie du die Familienzeit konkret formulierst, hängt vor allem davon ab, ob dein Arbeitsverhältnis während dieser Zeit bestehen blieb oder nicht. Die folgenden Praxisbeispiele zeigen dir die besten Darstellungsmöglichkeiten für verschiedene Lebenslagen. Du kannst sie als Vorlage für deine eigenen Bewerbungsunterlagen nutzen.
Laufendes Beschäftigungsverhältnis
Wenn dein Arbeitsvertrag während der Familienzeit ungekündigt weiterläuft und du dich aus diesem Verhältnis heraus bewirbst, integrierst du die Familienzeit einfach als Unterpunkt deiner aktuellen Stelle:
Seit 04/2012 | Sachbearbeiterin Einkauf, Muster AG
- Verantwortlich für die Lieferantenbetreuung und Rechnungsprüfung
- Seit 07/2023 in Familienzeit
Ohne bestehendes Beschäftigungsverhältnis
Bist du derzeit stellensuchend oder lief dein befristeter Vertrag während der Familienzeit aus, wird die Familienzeit zu einer eigenständigen Station in deinem Lebenslauf:
07/2023 – heute | Familienzeit / Familienphase
- Aktive Erziehung und Betreuung des Kindes
Familienzeit mit Kind (inkl. Betreuungsstatus)
Mit diesem kurzen, sachlichen Zusatz kannst du potenziellen Arbeitgebern signalisieren, dass die Kinderbetreuung geregelt ist und du voll einsatzbereit bist:
07/2023 – heute | Familienzeit
- Betreuung des Kindes (Ganztagesbetreuung ab 09/2026 gesichert, verfügbar an vier Tagen pro Woche)
Mehrere Familienphasen
Warst du für mehrere Kinder nacheinander in Familienzeit, solltest du deinen Lebenslauf nicht mit vielen kleinen Unterbrechungen überfrachten. Fasse die Zeiten stattdessen elegant zusammen:
03/2019 – 08/2024 | Familienphase
- Betreuung von zwei Kindern
Teilzeit oder Nebentätigkeit und Familienzeit
Hast du während deiner Familienzeit in Teilzeit gearbeitet, ist das ein hervorragendes Signal für deine Einsatzbereitschaft. Gib hierbei unbedingt die wöchentliche Arbeitszeit an:
seit 07/2023 | Familienzeit
- Teilzeittätigkeit im Bereich Buchhaltung bei der Beispiel AG (15 Std./Woche)
Familienzeit und Weiterbildung / Ehrenamt
Wenn du die Zeit genutzt hast, um dich fachlich weiterzubilden oder dich freiwillig zu engagieren, solltest du diese Kenntnisse und Fähigkeiten unbedingt angeben:
seit 07/2023 | Familienzeit & berufliche Weiterbildung
- Erziehung des Kindes
- Erfolgreicher Abschluss des Online-Zertifikatskurses «Digital Marketing» (Zertifikatslehrgang)
- Freiwillige Organisation und Kassenführung im örtlichen Sportverein
Welche Angaben zur Familienzeit gehören nicht in den Lebenslauf?
Manche Details sind reine Privatsache und schwächen deinen Lebenslauf, anstatt ihn zu stärken. Vermeide daher:
- Namen und Alter deiner Kinder sind in der Regel für Personalverantwortliche kaum interessant und lenken ausserdem von deinen fachlichen Fähigkeiten ab.
- Zu detaillierte Haushaltslisten wie «Kochen, Windeln wechseln, Haushalt organisieren» wirken unprofessionell und können Zweifel an deiner Eignung für den Job aufkommen lassen.
- Unbelegte Soft Skills (wie z. B. «Durch die Erziehung bin ich nun extrem stressresistent») solltest du lieber durch konkrete Projekte oder Weiterbildungen nachweisen.
- Veraltete Bezeichnungen wie «Hausfrau und Mutter» oder «Hausmann und Vater» können in manchen Branchen einen nicht mehr zeitgemässen Eindruck erwecken.
Familienzeit aktiv und positiv darstellen
Ob eine Familienzeit im Lebenslauf positiv wahrgenommen wird, entscheidet oft die Formulierung. Mit der richtigen Wortwahl demonstrierst du Selbstbewusstsein, Struktur und Professionalität.
Die folgenden Begriffe helfen dir, deine Familienzeit aktiv und modern zu benennen:
- Familienphase/Familienzeit: Ein sehr etablierter, neutraler Oberbegriff. Er eignet sich besonders gut, wenn mehrere Auszeiten oder verschiedene Betreuungsaufgaben zusammengefallen sind.
Beispiel: «Familienphase (03/2021 – 08/2024)»
- Auszeit aus familiären Gründen: Klingt sachlich, professionell und unaufgeregt. Perfekt, wenn du die Phase kurz einordnen willst, ohne zu tief ins Detail zu gehen.
Beispiel: «Auszeit aus familiären Gründen (05/2024 – heute)»
- Familiäre Verpflichtungen: Diese Formulierung passt besonders gut, wenn du neben der Kindererziehung beispielsweise auch Betreuungsaufgaben in der Familie übernommen hast.
Beispiel: «Auszeit aufgrund familiärer Verpflichtungen (10/2023 – 04/2025)»
- Familienzeit und berufliche Neuorientierung: Ein starker Begriff, wenn du die Auszeit genutzt hast, um deine Karriereziele neu zu definieren oder einen Branchenwechsel vorzubereiten.
Beispiel: «Familienzeit und berufliche Neuorientierung (seit 01/2025)»
- Familienzeit und Weiterbildung: Dein bester Schutz gegen das Vorurteil, dein Fachwissen sei während der Pause veraltet.
Beispiel: «Familienzeit & Weiterbildung: Teilnahme an webbasierten Fachseminaren im Bereich agiles Projektmanagement»
- Aktive Erziehungsphase: Dieser Begriff betont, dass du diese Lebensphase ganz bewusst, strukturiert und engagiert gestaltet hast.
Beispiel: «Aktive Erziehungsphase (08/2023 – heute)»
Tipp: Wenn du während der Familienzeit Fachliteratur gelesen, Online-Kurse besucht oder dich in Vereinen engagiert hast, verknüpfe diese Punkte aktiv mit deiner Familienzeit im Lebenslauf. So entkräftigst du mögliche Vorbehalte wegen einer «Berufspause».
Soft Skills aus der Familienzeit belegen
Eigenschaften wie Organisationstalent oder Belastbarkeit klingen schnell nach leeren Floskeln, wenn du sie nur behauptest. Der Unterschied zwischen einer starken und einer schwachen Angabe bei Soft Skills liegt im klar definierten Beleg: Statt eine Eigenschaft nur zu benennen, verknüpfst du sie mit einer konkreten und überprüfbaren Tätigkeit aus deiner Familienzeit.
| Soft Skills | Schwach | Stark |
|---|---|---|
| Organisation und Zeitmanagement | «Durch die Kinderbetreuung bin ich sehr organisiert.» | «Freiwillige Organisation des Kita-Sommerfests (80 Gäste, Koordination von 12 Helferinnen und Helfern).» |
| Budget- und Zahlenkompetenz | «Ich kann gut mit Geld umgehen.» | «Kassenführung im Sportverein: Verwaltung des Jahresbudgets und monatliche Abrechnung.» |
| Fachliche Aktualität | «Ich bin fachlich weiterhin auf dem neuesten Stand.» | «Abschluss des Online-Zertifikatskurses ‹Digital Marketing› (Zertifikatslehrgang) während der Familienzeit.» |
| Kommunikation und Vermittlung | «Ich bin kommunikativ und stressresistent.» | «Elternvertretung in der Kita: Vermittlung zwischen Eltern und Leitung, Organisation von zwei Elternabenden.» |
Die starken Varianten kannst du direkt als Stichpunkte unter deine Familienzeit-Station setzen. So wird aus einer blossen Behauptung ein nachvollziehbarer Nachweis, der Personalverantwortliche überzeugt.
Wichtig: Sobald das Weglassen jedoch zu einer zeitlichen Lücke von zwei Monaten oder mehr in deinem Lebenslauf führen würde, solltest du die Familienzeit immer angeben.
Wiedereinstieg nach der Familienzeit
Häufig gibst du die Familienzeit nicht nur an, weil sie in deinen Werdegang gehört, sondern weil du dich direkt aus ihr heraus bewirbst. Für den beruflichen Wiedereinstieg zählen neben der sauberen Darstellung im Lebenslauf vor allem
- deine Motivation und
- deine Verfügbarkeit
Diese beiden Punkte solltest du in deiner Bewerbung unbedingt deutlich machen, etwa durch Weiterbildungen oder Teilzeitarbeit und durch eine geregelte Kinderbetreuung.
Tipp: Arbeitgeber achten besonders darauf, ob deine Kinderbetreuung geregelt und du verlässlich verfügbar bist. Mit einem kurzen, sachlichen Hinweis kannst du deine Verfügbarkeit glaubwürdig darstellen:
- Ein knapper Verweis auf die gesicherte Betreuung (z. B. Kita, Tagesfamilie oder schulergänzende Betreuung/Hort) zeigt, dass du an alles gedacht hast.
- Nenne, ab wann und an welchen Tagen du einsatzbereit bist (z. B. fixe Arbeitstage oder ein gesichertes Startdatum).
- Ein einziger Stichpunkt genügt. Details zum Betreuungsalltag gehören nicht in den Lebenslauf.
Wiedereinstieg in Teilzeit
Ein Grossteil der Mütter – und zunehmend auch der Väter – kehrt nach der Familienphase mit einem reduzierten Pensum zurück. Für dich heisst das: Ein angestrebtes Teilzeitpensum ist kein Nachteil, den du verstecken müsstest, sondern eine klare, marktübliche Angabe, die deinem künftigen Arbeitgeber die Planung erleichtert.
seit 07/2023 | Familienzeit
- Angestrebter Wiedereinstieg in Teilzeit(60-80 %, vorzugsweise Montag bis Donnerstag)
Häufig gestellte Fragen
- Muss man die Familienzeit im Lebenslauf angeben?
Nein, eine gesetzliche Pflicht gibt es nicht. Angaben zu deiner familiären Situation sind freiwillig; Fragen danach sind im Bewerbungsverfahren grundsätzlich unzulässig und durch den Persönlichkeitsschutz (Art. 328b OR), das Datenschutzgesetz (DSG) und das Gleichstellungsgesetz (GlG) geschützt.
- Sollte man die Familienzeit im Lebenslauf angeben?
Ja, in den meisten Fällen ist es ratsam, die Familienzeit im Lebenslauf anzugeben. Dadurch schliesst du mögliche Lücken in deinem Werdegang und schaffst Transparenz und Vertrauen. Das Kaschieren durch falsche Angaben (z. B. das Erfinden fiktiver Beschäftigungen) kann später sogar arbeitsrechtliche Konsequenzen wie eine Kündigung nach sich ziehen.
- Zählt die Familienzeit als Berufserfahrung?
Nein, die reine Familienzeit wird nicht als klassische Berufserfahrung angerechnet. Sie schult jedoch wichtige Kompetenzen wie Organisationstalent, Belastbarkeit und Zeitmanagement – ganz besonders dann, wenn du die Zeit für Teilzeitarbeit oder gezielte Weiterbildungen genutzt hast.
- Wie erwähnt man die Familienzeit im Bewerbungsschreiben?
Im Bewerbungsschreiben solltest du die Familienzeit nur sehr kurz und am besten im Schlusssatz erwähnen, wenn du dich direkt aus der Familienzeit heraus bewirbst (z. B. bezüglich deines frühestmöglichen Eintrittstermins). Im Fokus deines Schreibens stehen immer deine fachlichen Qualifikationen. Liegt deine Familienzeit bereits länger zurück, gehört sie überhaupt nicht ins Bewerbungsschreiben.
- Was sollte man nach der Geburt eines Kindes in den Lebenslauf aufnehmen?
Trage den exakten Zeitraum der Familienzeit, deinen Beschäftigungsstatus währenddessen sowie eventuelle Zusatzaktivitäten wie Teilzeitarbeit, absolvierte Weiterbildungen oder freiwillige Tätigkeiten sachlich und strukturiert ein.
- Sollte man «Familienzeit» oder «Mutterschaftsurlaub» sagen?
In der Schweiz ist «Mutterschaftsurlaub» der offizielle gesetzliche Begriff für die 14 Wochen nach der Geburt; der «Urlaub des anderen Elternteils» heisst seit 2024 offiziell so (früher «Vaterschaftsurlaub»). Eine gesetzliche «Elternzeit» wie in Deutschland gibt es nicht. Für eine längere Auszeit im Lebenslauf verwendest du daher am besten den neutralen Begriff «Familienzeit» oder «Familienphase».
- Wie lange sollte man die Familienzeit im Lebenslauf angeben?
Gib die Familienzeit so lange an, wie sie für einen lückenlosen Lebenslauf notwendig ist. Liegt die Familienphase bereits mehr als fünf Jahre in der Vergangenheit und hast du danach wieder regulär gearbeitet, kannst du die Angabe weglassen.
- Muss man ein Arbeitsverbot in der Schwangerschaft im Lebenslauf erwähnen?
Nein. Ein Fernbleiben von der Arbeit während der Schwangerschaft beruht meist auf gesundheitlichen oder arbeitssicherheitstechnischen Gründen (Schutzbestimmungen des Arbeitsgesetzes). Dies sind private, medizinische Details, die im Lebenslauf nichts zu suchen haben. Der Zeitraum wird einfach durch die normale Angabe deiner Beschäftigung abgedeckt.